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Im Wettbewerb ist es notwendig, dass du nach jeder Außenlandung, auch wenn und bevor du zurückgeschleppt wirst oder aus eigener Kraft (MoSe) zurückfliegen kannst, immer im Wettbewerbsbüro anrufst.

Das hat drei Gründe :

  • AußenlandungDer Sportleiter will sicher gehen, dass alle seine Schäfchen abends wieder sicher auf der Erde sind. Er kommt ins Transpirieren, wenn die Sonne unterzugehen droht, ohne dass er weiß, wo alle sind. Das ist verständlich, wenn du bedenkst, dass die Wettbewerbsleitung verpflichtet ist, Such- und Rettungsmaßnahmen einzuleiten, sollte abends jemand fehlen. Ein solcher Schritt (Anruf Polizei und SAR) markiert den deutlichen Übergang vom Spaß beim Fliegen zu großem, eventuell tödlichem Ernst : Erstens, weil jemand fehlt, verletzt sein könnte, eventuell unbeweglich in seinen Trümmern liegt und die Nacht in freier Natur wegen Unterkühlung nicht überstehen würde, gerettet werden muss - und zum Zweiten, weil professionelle Suchmaßnahmen (SAR) richtig viel Geld kosten. Bei Leichtfertigkeit fallen diese Kosten auf den Verursacher des Ganzen, den Piloten, der nicht telefoniert hat, zurück. (Erlebnisbericht siehe unten)
  • Der Sportleiter kann anhand der Daten, die mit dem Anruf übermittelt werden, eine vorläufige Wertung anfertigen. Und um die Wertung geht es ja im Grunde.
  • Es ist eine bodenlose Gemeinheit gegenüber deiner Mannschaft und deinen Angehörigen und zeugt deutlich von Egomanie, sie im Unklaren über dein Wohlergehen zu lassen.

Heute, mit Handys in allen Händen, darfst du es aber auch nicht damit bewenden lassen, deine Mannschaft anzurufen und der zu sagen, dass und wo es dir gut geht. Du bist dafür verantwortlich, dass diese Information bei der Wettbewerbsleitung ankommt. Wenn du dich auf deine Mannschaft verlassen kannst, dann kann auch die Mannschaft die Info zur Wettbewerbsleitung bringen. Aber versichere dich dessen, dass die Wettbewerbsleitung das akzeptiert. Das ist nicht in jedem Wettbewerb so. In dem Fall ersetzt der Anruf bei deiner Mannschaft den Anruf bei der Wettbewerbsleitung nicht !!

 

 

Ich (Horst) durfte 1992 einen Wettbewerb (Hohenloher Vergleichsfliegen) in Walldürn als Sportleiter führen. An einem Tag hatten wir einen in dieser Geschwindigkeit des Eintreffens unerwarteten aber massiven Kaltlufteinbruch am Boden, der mittags um drei Uhr alle Thermik schlagartig beendete. Ungefähr um fünf Uhr hatte ich Landemeldungen von allen Piloten, bis auf einen.

Seine damalige Freundin, jetzige Ehefrau stand neben mir, aufgelöst, mit Tränen in den Augen, als es auf sechs Uhr zu ging und noch keine Meldung da war. Glücklicherweise konnte ich mich mit zwei Ärzten, die mitflogen und schon wieder am Platz waren, beraten. Die Temperatur war um fünf Uhr (Anfang Juni !!) in Walldürn (500m Höhe) auf 6 Grad gefallen und leichter Frost war auf dem Ahorn angesagt. Wir mussten eine Abschätzung machen für den schlimmsten Fall und nahmen an, unser fehlender Piloteur hätte eine Außenlandung hingelegt, von der er wegen einer Verletzung nicht weglaufen konnte. Die Meinung der Ärzte war, dass er, eingeklemmt im Bruch, auch mit einer leichten Verletzung und leichtem Schock die Nacht nicht überstehen würde.

Als um 20 Uhr noch keine Meldung des Piloten da war, habe ich den Notfall beim SAR ausgelöst und die ganze Maschinerie lief an !!

Mit den SAR-Verantwortlichen wurde telefonisch ein Suchmuster vereinbart, an den Schenkeln des Dreieckes orientiert (unser Pilot war als einer der ersten abgeflogen). Auf diesen Streifen sollten die Hubis S-Voraus fliegen, um das Flugzeug zu finden.Genau zu Sunset (nach 21:00) kam unser Pilot dann durch die Luft nach F-Schlepp angeeiert. Was war geschehen ? Unser Pilot war neben dem Platz von Backnang im Tal gelandet, ziemlich weit vom Schenkel weg. Er wäre von den Hubis nicht gefunden worden.

Die Backnanger Flieger haben das Flugzeug im Tal abgebaut, die Teile den Hang hoch getragen, auf dem Platz wieder zusammen gebaut, und, als der eigene Flugbetrieb zu Ende war, haben sie unseren Delinquenten nach Hause gehievt. Das wäre alles toll gewesen, hätte er zu Hause angerufen.Natürlich habe ich den SAR-Einsatz sofort angehalten. Zu dem Zeitpunkt war der Hubi von Ingolstadt schon beim Suchen zwischen Aalen und Schwäbisch Hall, die Maschine aus Nörvenich noch im Anflug. Es waren zwar noch ca. 20 Minuten bis zum Ende der bürgerlichen Dämmerung (ca. 21:40), aber die SAR-Hubis hätten auch in der Nacht gesucht, per Infrarot-Kamera.

Am nächsten Morgen gab es ein telefonisches De-Briefing, zu dem unser Pilot mit hängenden Ohren und schlotternden Knien erschien. Er war sehr erleichtert, als der SAR-Kommandant ihm erklärte, dass keine Kosten auf ihn zukommen würden, weil der SAR das Ganze als eine Übung unter Live-Bedingungen angesehen hatte.

Die Analyse des Geschehens ging dann in kleinerem personellen Rahmen noch sehr viel weiter, weil der SAR wissen wollte, wie weit die Suchmaschinen von der tatsächlichen Landestelle weg waren und wie das Erstellen einer Suchstrategie hätte verbessert werden können.

 

 

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