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Problem:
Wind, viel Wind, aber homogenes Wetter.

Hier werden die Antworten didaktisch anspruchsvoll.


Erstens:
Gängige Begriffe sind hier Rückenwindwenden und Gegenwindwenden. Eine Gegenwindwende wird im Sprachgebrauch und in den Büchern Gegenwindwende genannt, wenn auf dem Hinweg zur Wende Gegenwind herrscht (und umgekehrt natürlich). Diese Benennung ist für mich nicht einsichtig, denn sie trifft den Kern der Problemstellung nicht.

Die taktische Entscheidung, die hier diskutiert wird, ist nur im Sonderfall vom Wind auf dem Weg hin zur Wende abhängig, aber immer vom Wind auf dem Schenkel weg von der Wende. Da liegt es doch nahe, das Wendenproblem auch danach zu benennen : Eine Gegenwindwende ist für Welcher Wendentyp ist das ?mich die Wende, bei der der Kurs von der Wende weg im Gegenwind liegt und umgekehrt. Also, das genaue Gegenteil vom Sprachgebrauch (danke Volker Polhaus für deinen Hinweis). Ich mache darauf aufmerksam, dass ich hier BEWUSST die Begriffe Rückenwindwende und Gegenwindwende umgekehrt zum normalen Sprachgebrauch verwende. Ich, Horst Rupp, wage es hier der gesamten Gemeinde zu widersprechen und die Begriffe neu zu setzen. Die landläufige Benennung ist Käse, auch wenn sie landläufig ist.

Und als maßgebliches Argument:
In der nebenstehend gezeigten Situation ist die Begriffsbildung aus dem Sprachgebrauch offensichtlich hilflos. Die Benennung kann hier mit Sicherheit nicht vom Windeinfluss auf dem Weg zur Wende hin abhängig sein. In Rupp'scher Diktion ist der Flugweg nach links eine Gegenwind-Wende, der Flugweg nach rechts eine Rückenwind-Wende.

Im weiteren verwende ich daher meine Begriffsbildung (Rupp'sche Diktion).

Zweitens:
Die Standardantwort aus den Büchern "Bei Rückenwindwenden niedrig umfliegen, nach der Wende kurbeln, bei Gegenwindwenden vor der Wende kurbeln und hoch umrunden" (siehe auch Reichmann "Streckensegelflug" Seite 78 - aber Vorsicht : Begriffsumkehr !! ) ist zwar richtig, jedoch zu plakativ, denn sie gilt so einfach - ohne wenn und aber - nur in einer "idealen" Situation, bei der die Wende einer Zielrückkehrstrecke angeflogen wird und bei der der Wind auch noch in der Kursachse liegt. Wann kommt das schon mal vor - außer bei der freien OLC-Raserei.

Die folgenden Graphiken illustrieren diese Ideal-Situation.

Die Gegenwind-Wende in Rupp'scher Diktion (rechnerische Begleitmusik hier. letztes Blatt) und die Rückenwind-Wende in Rupp'scher Diktion (rechnerische Begleitmusik hier. letztes Blatt) :

GegenwindwendenMitwindwenden

Die Angaben "größer oder kleiner als der MacCready-Erwartungswert" kommen deshalb ins Spiel, weil der Anflug auf eine Wende immer einem Endanflug gleichzusetzen ist, und dort spielt der Wind eine Rolle beim MacCready-Setting.

In dieser Idealsituation ist das Optimieren einfach, wie jeder sieht.

Die realistische Situation ist jedoch die, dass keine Zielrückkehrstreckenführung verfolgt wird und dass der Wind weder genau in der Anflugachse zur Wende noch genau in der Abflugachse liegt. Was dann ? Das Optimierungsziel bleibt das Gleiche: Mit minimalem Zeitverbrauch die Wende zu nehmen und auf dem weg-von-der-Wende-Schenkel wieder auf gleiche Höhe zu kommen, bei gleichzeitig optimalen weiteren Aussichten.

Wenn von der Wende weg klar Gegenwind oder Rückenwind herrschen (Wind +- 30° auf dem Kurs) , dann gelten - unabhängig vom Wind auf dem Anflugkurs die grundsätzlichen Aussagen :

  • gegen den Wind von der Wende weg --> möglichst hoch umrunden.
  • mit dem Wind von der Wende weg --> so niedrig umrunden, dass man noch sicheren Anschluss bekommt.

Wenn der Wind von der Wende weg nicht ausgeprägt ist oder eher quer zum Abflugkurs liegt, dann neige ich dazu, den Wind vor der Wende ins Kalkül zu ziehen:

  • Rückenwind zur Wende hin --> hoch umrunden.
  • gegen den Wind zur Wende hin --> so niedrig umrunden, dass ich noch sicheren Anschluss bekomme.

Aber Wendetaktik ist nicht alles. Ich habe auch schon ausgeprägte Gegenbeispiele zu diesen Regeln erlebt (siehe Abschnitt "Kurz vor der Wende ..."). Wesentlich für jeden Überlandflug ist das Nicht-Landen. Die Strategie, nach der Wende oben zu bleiben, ist wichtiger als die taktischen Geschwindigkeitsspielchen.

 

Noch ein Hinweis:
Die Wettbewerbsordnung (es gibt verschiedene !!) beschreibt, wie die Sektoren an der Wende aussehen: 2 * 45° Tortenstück mit 2, 3, 5 oder 10 km Kantenlänge, mit oder ohne Wendepunktzylinder, oder nur ein Wendepunktzylinder. Es hilft in extremen Situation sich klar zu machen, wo die Grenzen des Sektores liegen, denn bei 10 km Kantenlänge kann in der hinteren Ecke fliegbares Wetter herrschen und am Wendepunkt nicht. Dann lohnt sich sogar ein 20 km Umweg.

 

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