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Jede Sollfahrttheorie basiert auf einem Modell der Aufwindverteilung in der Atmosphäre entlang des Flugwegs.

Im Laufe der Entwicklung der Sollfahrttheorie (Paul MacCready und Vorläufer, René Compte, Helmut Reichmann) änderten sich stets die Modellannahmen ein klein wenig, von rigiden einfachen Modellen zu stochastischen Modellen (Cochrane), und was wesentlicher ist, die Modelle basierten zuerst auf der Kontinuitätsbedingung, später - nach Reichmann - nicht mehr.

Notwendig wurden die Theorieerweiterungen - so habe ich das noch erlebt - durch die Schnittgeschwindigkeiten, die Hans-Werner Grosse in seinen langen Flügen, ultimativ bei seinem Weltrekord von Flensburg nach Biarritz, vorgelegt hat. Diese Geschwindigkeiten waren mit den geringen Steigwerten, die Hans-Werner beobachtete, nicht erklärbar. Er führte das in seinen Vorträgen darauf zurück, dass er langsam in Schlenkern unter den Wolken entlang flog, das Kreisen vermied, weil das Steigen zu schwach und nicht auskurbelbar war, und viel delphinierte. 

 

In seinem Buches "Streckensegelflug" widmet sich Reichmann dann ab Seite 188 ausgiebig der Betrachtung der Sollfahrttheorie unter der Annahme von diskontinuierlichen Aufwindverteilungen und trägt damit - teilweise - der Kritik an den alten Modellen Rechnung.

Helmut war aber, als er das Buch schrieb, noch sehr vom Sägezahn-Flugstil der alten Zeit geprägt. Selbst, wenn reiner Delphin nach seiner Lesart machbar wird, hält er noch an seiner Thermikmodellvorstellung fest, dass es noch besonders starke Zentren in der Wolkenstraße gibt, an denen Kurbeln sinnvoll ist, und darauf richtet er seine taktischen Geschwindigkeitsvorgaben und MC-Werte aus.

Im nächsten Artikel werde ich zeigen, was passiert, wenn diese Modellvorstellung aufgegeben wird.

 

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