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Teamflug funktioniert nur beschränkt ohne direkte verbale Kommunikation über Funk. Aber: Zwischen dem Ins-Mikrofon-reden und Kommunikation ist ein himmelweiter Unterschied.

Kommunikation ist der "geregelte" Nachrichtenaustausch zwischen zwei oder mehr Teilnehmern. Die psychologischen Theorien dazu findest du hier. Wesentlich ist, dass mit jeder Nachricht auf vier Ebenen "etwas" versendet wird und dass jede Nachricht auch auf vier Ebenen empfangen wird. Jede Nachricht enthält einen sachlichen Inhalt - vordergründig geht es nur um den -, dann beinhaltet jede Nachricht einen Appell, sie offenbart die Sicht des Senders auf die Beziehung zum Empfänger und sie offenbart den Gemütszustand des Senders. Nicht nur bei der Kommunikation beim Segelfliegen sondern auch bei jeder Kommunikation in anderen Situationen sollte sich jeder Teilnehmer am Nachrichtenaustausch darüber im Klaren sein, dass das, was beim Adressaten einer Nachricht auf jedem der Kanäle ankommt, nicht unbedingt das ist, was der Sender dort haben wollte.

 

Zunächst mal: Wenn jemand einen Funkspruch erhält, dann sollte er den Erhalt auch bestätigen. Nicht antworten ist im oben genannten Sinne auch eine Kommunikation. Welche wohl ? Zweimal die Funktaste drücken, das reicht schon, um dem Sender zu sagen, dass er nicht ins Leere gesprochen hat. Das ist ein Gebot der Höflichkeit und unterbindet unnötige Nachfragen.

Ich denke, 60 % aller Funksprüche erfolgen im Kontext des Problems des gegenseitigen Findens in der Luft und der Absprache, was als nächstes getan werden soll. Es geht also um Ortsangaben und Richtungsangaben. Weitere 20 % behandeln Informationen über das Wetter und die fliegerischen Bedingungen, und der Rest ist Unfug - muss aber manchmal sein, um "Seelenstausituationen" zu entschärfen :-) . All das - außer dem Unfug - ist sachlicher Inhalt der Nachricht.

Ich führe hier ein paar "Regeln" an, die, wenn sie beachtet werden, nach meiner Auffassung den Funkverkehr erleichtern, auch ausdünnen. Denn grundsätzlich bin ich der Meinung : Weniger funken ist besser.

Falsche oder ungenaue Ortsangaben verwirren und machen ein gegenseitiges Auffinden unmöglich. Beispiel : "Ich bin hinter dem Otzberg". Wo ist hinten ?

Wenn du aus 1500 m über Grund seitlich aus dem Cockpit schaust und siehst eine Stadt neben dir, dann ist die meist 4 - 5 km weg. Die beliebte Ortsangabe "Ich bin gerade über XYZ" ist nicht angebracht. Wenn dein Fliegerfreund auf der anderen Seite der Stadt ist, ebenfalls 1500 m hoch, dann seid ihr 10 km separiert und könnt euch zu eurer eigenen Verwunderung nicht sehen, aber die gesamte Frequenz erlebt mit, dass ihr angeblich über der gleichen Stadt seid.

Positionsangaben lassen sich heute mit Elektronikunterstützung am sichersten durch Kurs und Entfernung auf einen vereinbarten Punkt angeben. Sie sollten immer mit einer Höhenangabe verbunden sein. "Ich habe Bearing 27° und 73 km Distanz zur Wartburg, bin 1700 m hoch." Höhenangaben auf dem Überlandflug beziehen sich immer auf QNH.

Es spricht nichts dagegen, wenn ein Pilot, der dem anderen deutlich und außer Sichtweite vorweg fliegt, dem zweiten mitteilt, wo er ist und wo es ihm wie geht, - aber nur wenn er weiß, dass der zweite die gleiche Strecke fliegen will.

"Jürgen, ich bin jetzt knapp östlich vom Heidelstein und ich steige mit 2 m/s im Mittel". Das ist ok, wenn der Vorausfliegende weiß, dass der Jürgen noch südlich vom Kreuzberg ist und nachkommen will nach Eisenach. Wenn er nicht weiß, wo der Jürgen ist, behält er die Info für sich. Das ist schwierig, aber es geht.

Wenn du deinen Kameraden siehst, aber er dich nicht, dann lautet deine Positionsangabe immer "in deiner 5-Uhr-Position, 2 km weg" oder "ich schließe auf in 8-Uhr-Position". Angaben wie "Ich bin über dem gelben Rapsfeld" führen nicht zum Ziel. Alle Rapsfelder sind gelb - zumindest zu bestimmten Zeiten des Jahres, sonst sind sie grün - und es gibt sicher mehr als eins in Sichtweite.

Richtungen werden absolut angegeben (ich fliege 50°). Eine Angabe "in Richtung der dicken Wolke" ist nur dann sinnvoll, wenn dein Kamerad 100 m neben dir schon grob in die gleiche Richtung fliegt und du jetzt 20° nach rechts willst. Dann wird er eine Chance haben, die "dicke Wolke" als DEINE "dicke Wolke" zu erkennen.

Angaben zu (mittleren) Steigwerten müssen stets konservativ gegeben werden. Der Integrator springt bei den meisten Varios und Rechnern beim Einfliegen in einen Bart auf den aktuellen Variowert und fällt dann erst ab. Er ist damit beim Zentrieren viiieeel zu hoch.

Das Goldene MikrophonEinige - an sich sachliche - Informationen verbieten sich von selbst, dass man sie im Funk weitergibt:

Du musst nicht deine aktuellen Steigwerte im Funk ansagen, auch wenn dich die Euphorie packt. Damit kann dein Kollege, der unter dir versucht, den Bart zu zentrieren, nichts anfangen. Der hat sein eigenes Vario. Und außerdem störst du ihn dabei, sich auf sein Vario zu konzentrieren. Oder du zwingst ihn dazu, den Funk abzuschalten, weil dein unnötiges Gerede ihn nervt. Eine Ausnahme von dieser Regel kann es nur nach Absprache geben, beim Teamflug beim verteilten Suchen nach Steigen unter großen Wolken.

Was du in deiner Euphorie und mit deinem übertriebenen Mitteilungsbedürfnis für wichtig ansiehst, kann - und wird mit einiger Wahrscheinlichkeit - für deine Kameraden unwesentlich sein.

Was hilft es deinem Vereinskameraden im Pfälzer Wald, wenn du ihm stolz verkündest, dass du von dem und dem Heiopei auf einer anderen Frequenz gehört hast, dass der auf der Schwäbischen Alb 140 km geradeaus geflogen ist.

Wenn du dich nur gerne reden hörst, dann ist das ja noch nicht ehrenrührig. Das wird es erst dann, wenn du die anderen mit unnötigem Gesabbel auf der Frequenz störst. Mach dich nicht selbst zum Gespött. Du erntest sonst nur despektierliche Spitznamen. Es hören einfach zu viele Leute mit.

Aber anders herum, wenn eine Frage an dich kommt, dann beantworte sie - und lasse nicht das vom Stapel, an das du gerade gedacht hast.

Wenn du im Teamflug funkst, musst du dir - bevor du auf den Knopf drückst - überlegen, ob das, was du sagen willst, dem anderen nützt. Wenn nicht, dann halte besser den Mund. Wenn du denkst, deinem Kameraden partout eine Info übermitteln zu müssen, vergewissere dich VORHER, ob er zu deinen Angaben einen Bezug herstellen kann, zu deiner Position, zu deinen Richtungsangaben.

Versuche die Anteile "Appell",  "Beziehung zum Empfänger" und "Gemütszustand des Senders" klein zu halten, insbesondere den Appell.

Jegliche Anweisung wie "komm hier her, hier geht's mit 3 Metern" ohne direkten Sichtkontakt, ohne dass du sicher bist, dass dich der Adressat des guten Rates sehen kann, muss unterbleiben. Ein solcher Ratschlag an einen Fliegerkameraden, den du nicht sehen kannst und der dich nicht sehen kann, weil ihr 15 km auseinander seid, ist grober Unfug. Insbesondere die unerfahrenen Piloten werden dadurch stark abgelenkt, sie setzen sich mit dem Rat auseinander, zögern, führen ihn vielleicht sogar aus, auch wenn er objektiv gesehen völliger Blödsinn ist. Ein solcher Ratschlag ist wie eine Denial-of-Service-Attacke auf deinen PC. Du beschäftigst das ohnehin schon rotierende Gehirn eines Anfängers mit zusätzlicher Last, so dass die wichtigen Entscheidungen unentschieden bleiben.

Anweisungen wie "komm hier her" kann es nur in einer vorher abgesprochenen Lehrer-Schüler-Teamflugkonstellation mit Sichtkontakt geben.

Wenn sich - für dich erkennbar - dein Fliegerkamerad entschlossen hat, zu dir zu kommen, weil du ihm einen guten Bart in Sicht- und Reichweite versprochen hast, übernimmst du Verantwortung für ihn. Dann musst DU ihn davon unterrichten, wenn und dass dein Bart schwächer wird (was ja mit der Höhe oft passiert). Wenn dir das aber regelmäßig passiert, dass du nach anfänglicher Euphorie zugeben musst, dass dein Bart schwächer wird, dann verlierst du Freunde.

Und wenn du redest, tue es sorgfältig und sprich artikuliert. Wenn du den Knopf drückst, braucht dein Funkgerät 200 Millisekunden, um die Modulation aufzubauen. Wenn du zu früh redest, werden deine ersten Worte nicht übertragen. Und weil du - wie fast alle Leute intuitiv - den Sinn des Satzes in die ersten Worte packst, geht oft der Sinn des gesamten Funkspruchs verloren.

 

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