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Vielleicht hast du es schon gemerkt: Wenn du kurbelst, misst dein Rechner, so du einen hast und er überhaupt beim Geradeausfliegen den Wind ermitteln kann), meist einen geringeren Wind als zwischen den Bärten im Gleiten. Das ist keine Fehlmessung deines Rechners, sondern tatsächlich so. Wie kommt das ?

Bärte, je stärker umso mehr, bilden gegenüber dem synoptischen Wind ein Hindernis, eine Art zäh am Boden haftende Wurst, die umströmt und verlangsamt durchströmt wird.

Ist der Bart sehr stark, steht er ziemlich fest und steil über dem Auslöser, nur wenig mit den Wind geneigt. Der synoptische Wind "durchströmt" den Bart stark verlangsamt, verglichen mit dem synoptischen Wind außerhalb des Bartes. Das ist das, was, wie eingangs erwähnt, was dein Rechner misst.

Ist der Bart schwach, wird er vom Wind stärker "geneigt" und dein Rechner misst beim Kurbeln einen Wind, der weniger stark vom normalen synoptischen Wind abweicht als bei einem starken Bart.

Bartstärke und Neigung sind nicht linear gekoppelt. Bärte unter 1 m/s liegen meist schon bei 15 km/h Wind wie Rauchfahnen in der Landschaft. Wenn der Bart stärker ist als 1,5 m/s, steht mehr oder minder aufrecht.

Diese Unterschiede im gemessenen Wind beim Kurbeln und im freien Flug können beträchtlich werden. Ich habe schon erlebt (Butterfly-Windmessung), dass ich im Bart keinen Wind hatte, außerhalb aber 25 km/h.

Das ist natürlich ein Problem für die Endanflugrechnung. Du kurbelst bis zur theoretisch errechneten (?) Endanflughöhe, der Rechner gibt dir den Kurbelwind, du brauchst aber den Wind zwischen den Bärten. Es gibt zZ keinen Endanflugrechner, keinen teuren Computer, der dieses Problem automatisiert löst.

Es ist doch schön, dass wir noch nicht vollautomatisch fliegen müssen.

 

Außerdem wird mit der Bartneigung klar, warum es mit seitlichem Wind so schwierig sein kann, die Bärte zu finden. Da kannst du leicht unter oder über dem schräg stehenden Bart durchfliegen, ohne was zu spüren. Deshalb gebe ich dir den Rat, Bärte immer in oder gegen die Windrichtung zu suchen. Es ist deshalb auch vorteilhaft, wie anderer Stelle beschrieben, Wolken stets in der Windachse anzufliegen.

 

Es gibt noch weitere physikalische Effekte in diesem Zusammenhang :

Unter der Annahme, es gäbe keinen synoptischen Wind, deuten die gängigen Modelle des Aufbaus von Thermik darauf hin, dass man sich einen Bart als eine verbogene wabernde bauchige Wurst vorstellen kann, die im unteren Drittel Warmluft von allen Seiten ansaugt, und im oberen Fünftel die Luft auch wieder nach außen entlässt.

Dadurch entstehen lokale Strömungen, unten hin zum Zentrum der Thermik, oben aus der Thermik heraus.

Selbstverständlich werden diese Strömungen durch den synoptischen Wind überlagert, so dass diese Effekte nicht immer erkennbar sind, meist nur bei schwachem synoptischem Wind.

Siehe dazu auch den Artikel von Martin Dinges und das Buch der Brigliadoris.

Diese Effekte sind mit modernen Windmesssystemen (z.B. Butterfly) deutlich messbar.

 

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