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Hoch oben zu fliegen ist eine (fast immer) dominante Strategie.

Hoch zu bleiben hat (fast) nur und (fast) immer Vorteile:

  • Es schont die Nerven.
  • Es macht schnell wegen der geringeren Luftdichte.
  • Es macht sicher, denn du hast keine festen Gegenstände (Berge, Steine) um dich rum.

Wenn du dich im Gebüsch oder in den Steinen rumtreibst und dauernd ums Überleben kämpfen musst, kannst du keine große Überlandgeschwindigkeit erreichen. Ausnahme: Hangflug (deshalb "fast immer"). Die niedrige Fliegerei erfordert ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Konzentration. Das macht müde - und das kannst du dir über einen langen Flug nicht ungestraft erlauben.

Wenn du hoch fliegst, nimmst du die Vorteile der höheren Über-Grund-Geschwindigkeit mit, die sich in der dünnen Luft ergeben. Glaube nur nicht, dass bei uns - im "Flachland" - vernachlässigbar wäre. Im groben Mittel bedeutet das für dich, wenn du in Höhen zwischen 2000 und 1000 m fliegst statt zwischen 500 und 1500 m, einen Geschwindigkeitsvorteil von 5 %.

Aus hoher Position zu fliegen, macht deine Chancen maximal, den nächsten starken Bart zu finden anstatt mit einem mickrigen Bart zufrieden sein zu müssen. 1000 m Höhe mit einem Meter zu kurbeln, das dauert 16,7 Minuten. Mit 2 m/s bist du 8,3 Minuten schneller. 8,3 Minuten bei einem Schnitt von 100 km/h machen fast 14 km Strecke aus.

Du siehst, diese Strategie fördert dein Ziel, die größte Strecke zu fliegen oder den Tagessieg zu fliegen (fast) immer, deshalb dominant.

 

Die taktische Umsetzung ist natürlich nicht immer leicht. Dein Flugzeug fliegt nur deshalb, weil es immer potentielle Energie (= Höhe) verbraucht. Du sinkst. Das ist dir sicher völlig neu :-).

Was kannst du fürs Obenbleiben tun ? Du kannst deinen Flugweg so wählen, dass du möglichst wenig Höhe verlierst. Du musst Wolkenstraßen und Thermikreihungen erkennen und ausnutzen. Je nach Güte des Wetters kannst du das gigantisch schnell (reines Delphin-Fliegen) oder langsam (Schwabbeln) tun.

Wenn das Wetter gut ist und du Reihungen findest, gibt es nichts, was deine Strategie gefährdet. Wird das Wetter schwächer, dann wird es hart. Dann musst du "Schwabbeln". Denn offensichtlich ist es der risikoärmere Weg, mit niedriger MacCready-Einstellung und dem "Vario in der Hand" oben zu bleiben, anstatt in unsicherer Thermik mit vereinzelten guten Bärten im Gleichklang mit der Sollfahrttheorie mit 1,5 m/s, aber mit hohem Nervenverzehr und Risiko zu fliegen.

 

Was kann dich vom "oben fliegen" abbringen ?

Wenn du voraus einen ortsfesten sicheren Hammerbart kennst, dann ist es allemal schneller, diesen Bart mit hoher MacCready-Einstellung höhengenau anzufliegen und mit überdurchschnittlichen Steigen wieder nach oben zu schießen. Beispiele dafür sind die berühmten Kraftwerksbärte aus dem Ruhrpott (leider ist die neue Kulturmetropole nicht so hitzig wie früher der Koks) oder einige in Stein gemeiselte Bärte in den Alpen. Allerdings muss auch hier dann der Bart sehr gut sein.

Was dich noch davon abbringen kann, ist eine definierte Hangflugstrecke, die du von weit oben im Endanflug anfliegst, um den Hang abzufräsen und am Ende wieder mit einem guten Bart ins obere Geschoss zu steigen. Beispiele hierfür sind der "Parcours de Combattants" an der oberen Bléone in Südfrankreich oder die Südflanke vom Pustertal bei Nordwind, die Karawanken in großen Teilen bei Süd- oder Nordwind. Viele Hänge in den Abruzzen sind prädistiniert für diese Technik : Das Valnerina, das Tal von Roveto, der Hang von Sulmona, der Gran Sasso und der Monte Gorzano.

Und ganz extrem gilt das natürlich auch für die Föhnfliegerei in den Nordalpen.

 

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