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Unter dem Begriff "Rotor" werden Strömungsmuster subsummiert, die eine walzenförmige Ausdehnung (mehr oder minder) quer zur Hauptwindrichtung haben.

Rotor unter einer LeewelleSie treten nur bei stärkerem Wind auf und sie werden, im weitesten Sinne, immer durch Scherungen oder Reibung ausgelöst. Sie "kleben" auch immer an einer solchen Scherungs- oder Reibungsfläche. Das können Hindernisse (Berge, Täler) oder Inversionen oder Windscherungen sein. Die letzten beiden Phänomene treten ja auch sehr oft zusammen auf.

Leewellen werden oft, aber nicht notwendigerweise, von Rotoren begleitet.

Die Gemeinde der Meteorologen und Geophysiker ist sich nicht einig, ob Rotore als Teil der Wellen betrachtet werden müssen oder ob sie ein eigenständiges Phänomen bilden, das allerdings sehr oft gepaart mit Leewellen auftritt. Ich betrachte sie als eigenständiges Phänomen.

Das Schemabild oben zeigt unter dem ersten aufsteigenden Ast der Welle - der ersten Welle nach der Föhnmauer - einen Rotor. Dass es da zu einer Verwirbelung kommen muss, ist wahrscheinlich jedem, der dieses schematische Schnittbild der Welle sieht, klar. Intuitiv würde man annehmen, dass es da eine Luftumwälzung geben muss, die hier im Bild im Uhrzeigersinn dreht, also am Boden gegen die Hauptwindrichtung. So schön ist das leider nicht. In diesem "Totwasser" unterhalb der Welle herrschen recht chaotische Windverhältnisse. Im Mittel weht der Wind auch am Boden nach rechts, aber er ist äußerst böig und schwächer als in der Höhe. Diese Totwasser-Walze ist (meist) ortsfest. An ihrer Luv-Seite staut sich dann die schnellere Luftmasse und steigt an, im unteren Teil turbulent, weiter oben dann laminar. Wenn wir Segelflieger vom Rotor-Fliegen sprechen, dann meinen wir damit das Steigen in diesem turbulenten Teil der Rotorwalze.

Rotor über dem Sommet de  PlatteDie Luft, die an der Luv-Seite der Rotor-Walze hoch gerissen wird, labilisiert sich, steigt damit aus eigener Kraft noch schneller, kondensiert wie adiabatisch steigende Luftmassen es meistens tun und bildet eine Wolke. Bleibt die Wolke klein, kann man manchmal richtig sehen, wie die Walze dreht: Vorn (luvseitig) an der Wolke schießt die Luft hoch und kondensiert, wird in der Wolke windab getrieben und sinkt unter Auflösung der Wolke leeseitig wieder ab. Diese Wolken heißen Cumulus fractus oder auf Hochdeutsch Fracto-Cumulus. Ich nehme an, aus diesem optisch nachvollziehbaren Phänomen kommt der Ausdruck "Rotor". Die aufsteigende Luftmasse ist bei Wellensituationen meist stabil geschichtet, so dass sich die Wolken sofort wieder auflösen (Bild rechts: Der Wind kommt von rechts). Die Luft wird durch die Hebung labilisiert. Wenn die Luft in Rotorhöhe an sich schon labil geschichtet ist, können aus dem Rotor massive Wolken oder gar Gewitter entstehen. Die Gewitter stoppen dann die weitere Wellenentstehung.

Rotoren spielen im Flachland kaum eine Rolle im Leistungssegelflug. In den Artikeln zum Gebirgssegelflug komme ich aber auf Rotoren zurück.

 

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