Ausgeprägte Grate kennt der Flachlandflieger nicht. Im Gebirge sind sie ungeheuer wichtig.

Du fliegst auf Grathöhe, leicht darunter oder darüber an einem Gebirgszug entlang, nach Hangflugregeln. Das ist noch relativ problemlos.

Du fliegst einen Grat (oder Pass) an, um ihn zu queren. Das kann schon - wenn du nicht sehr viel höher bist als der Grat und wenn außerdem noch wenig Wind herrscht - eine Herausforderung sein.

Grundsatz: Überquere einen Grat nicht rechtwinklig. Wähle deinen Kurs immer so, dass du dich den Grat anschmiegst und dann, wenn du absehen kannst, dass es bequem über den Grat reicht, dann springst du mit einer nachdrücklichen Kurve quer über den Grat.

Auch wenn die Querung aus dem Windluv, wenn der Wind schwach ist und quer oder steil auf dem Hang steht, recht problemlos erscheint, musst du immer damit rechnen, dass durch einen Umstand, den du vielleicht vorab noch nicht einmal erahnen kannst, auf der Leeseite des Hangs Verwirbelungen und starkes Fallen herrschen. Es ist deshalb potentiell gefährlich, mit zu wenig Differenzhöhe über den Steinen rüber zu springen.

Wenn du aus dem Luv kommst und der Wind ist jenseits von 15 km/h, kannst du sicher damit rechnen, dass im Gratlee starkes Fallen herrscht, eventuell auch Turbulenzen. Da sind Abstand zu den Steinen und viel Fahrt überlebenswichtig.

Und wenn du das auf Windstärken aus Wellenlagen extrapolierst (30-70 km oder noch höher), dann ist dir sicher klar, dass hier gar nicht genug Abstand gehalten werden kann. Die Turbulenzen und das Fallen können dir 600 m über dem Grat noch Angst machen.

 

Das Queren eines Grates aus dem Windlee ist verständlicherweise noch viel gefährlicher.

Da fliegst du nach Endanflugrechner bei 30 km/h mit 400 m Sicherheit auf einen Grat oder Pass zu, die Optik und Pralaxenverschiebeung stimmen bis ca. 500 m vor den Grat, und plötzlich kippt der Grat in dein Blickfeld hoch, das Vario fällt ins Bodenlose und deine Fahrt kommt nicht hoch. Du fällst auf die Leewand zu und hast keinen Ruderdruck um umzudrehen. Wahrscheinlich ist Geoff Tabbert im Sommer 2017 so gestorben.

Aus dem Lee kommend ist das Anschmiegen an die Gratlinie absolut notwendig, denn dann ist eine Abkehrkurve noch machbar, wenn erkannt wird, dass es nicht klappt.

 

Apropos Paralaxenverschiebeung :

Es ist ein guter Trick, sich bei einem knappen Anflug auf einen Grat oder Pass hinter dem Grat einen Blickpunkt zu suchen. Wenn dieser Blickpunkt über dem Grat einen immer gößeren Abstand bekommt, wird dein Gleitwinkel auf den Pass oder Grat immer besser. Wenn der Blickpunkt nach unten hinter dem Grat oder Pass verschwindet, schaffst du den Grat wahrscheinlich nicht. Das entspricht dem PAPI als Anflughilfe auf VFR-Plätzen.

 

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