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Wie Wellen funktionieren, habe ich hier dargestellt. Hier geht es darum, wie man mit ihnen im Gebirge umgehen muss.

Wie kommt man in den laminaren Teil der Welle hinein ?

Rotor am Monte Rosa in  5.000m Du musst unter der Welle im Rotor steigen bis an die Wolkenfetzen, den Rotorkopf. In der Regel spürst du, wenn du dem Rotorkopf näher kommst ab und zu einmal, dass du auf der Luv-Seite der Kreise in ruhigere Luft kommst. Das ist der Beginn der Welle. Wenn dieser Effekt deutlich wird, lohnt es sich vielleicht schon, in dieser ruhigen Luft zu bleiben, am Luvrand des Rotors. Es wird ein wenig knifflig sein, herauszufinden, wie groß die Ausdehnung dieses laminaren Wellengebiets ist. Je niedriger du noch unter dem Rotorkopf bist, desto kleiner wird es sein, und es wird auch noch keine hohen Steigwerte spenden.

 

Da ist es oft effizienter, im Rotor noch ein Stück Höhe zu erkämpfen und dann erst nach der laminaren Welle im Luv zu fahnden.

Manchmal musst du weit in den Wind hinein verlagern, manchmal auch einen Kilometer oder mehr vom Rotor gegen den Wind fliegen, bis du in den laminaren Teil der Welle kommst. Am Anfang ist sie vielleicht noch schwach, 0,5 m/s - 1 m/s, aber sie wird mit zunehmender Höhe meist besser.

Das Steigen im Rotor muss nicht immer Kampf sein, aber es ist oft oder meistens so. In den Alpen sind an vielen Stellen die Rotoren gut erflogen. Da ist bekannt, wo es hoch geht. Natürlich ist das sehr hilfreich, wenn es blau und von einer Rotorwolke nichts zu sehen ist. Trotzdem wirst du dir an jedem Tag auch immer wieder deinen aktuellen Rotor neu erfliegen müssen. Die Wettersituationen sind kaum je gleich. Dein Ziel muss es sein, dir ein modellhaftes Bild der Strömung zu machen um zu prognostizieren, wo ein Rotor stehen könnte. Tja, und dann musst du das Schätzchen finden und besiegen ! Das ist Knochenarbeit.

Manchmal, wenn du an dem Tag gesegnet bist, ist es kein Kampf. Du fliegst an einer begnadeten Stelle, wo die Welle tief nach unten laminar durchgreift, und schwupp, bist du oben. Das ist ein Geschenk.

Als ich Anfang der 90-iger meinen Sohn in der ASH 25 zum ersten Mal in die Welle mitgenommen habe, war er durch mein Briefing natürlich auf die Rauferei mit dem Rotor vorbereitet. Von Gap aus sind wir ziemlich par terre auf den Pic de Bure zu geschlichen. Aber anstatt dass uns bei Les Allemands der Rotorfuß der Pic-Welle verdroschen hätte, hat es uns aus 1.300 m NN zunächst sanft und dann mit 8 m/s hochgehievt bis 5.500 m, ohne einen Ruck.

 

Diese verfehlte Voraussage hat meiner Respektabilität in den Augen meines Sohnes nachhaltig geschadet.

Und andersrum: Auch in 5.000 m Höhe kannst du auf Rotoren treffen. Die Südsüdost-Flanke des Monte Rosa ist berüchtigt dafür.

Mit Klaus Ohlmann in der  gelben MöhreDie hohe Kunst des Wellenfliegens ist dann der Überlandflug in großen Höhen von Welle zu Welle. Kein anderer Pilot auf der Welt beherrscht das so perfekt wie Klaus Ohlmann. Und in Serres kannst du das lernen.

Beim Wellenfliegen wird dir kalt. Es gibt, wenn du einmal im laminaren Teil bist und nicht überland fliegst, kaum noch Aufregung oder Bewegung. Du sitzt ruhig auf deinem Hinterteil und frierst dir die Verzierungen ab. Wappne dich. Dein Getränkevorrat kann einfrieren, aber dein Flüssigkeitsverlust ist enorm. Deshalb darfst du das Spiel ohne Getränke nicht endlos ausdehnen.

Beim Wellenfliegen stößt du weit in sauerstoffarme Zonen vor. Du brauchst ein Sauerstoffgerät. Am besten legst du die Schäuche deines EDS schon nach dem Start an. Im Rotor hast du keine Hand frei dafür, aber der Rotorgipfel ist vielleicht schon über 4000 m hoch. Also vorsorgen !!

Beim Wellenfliegen herrscht meist Wind !! Das überrascht einen immer ein wenig, wenn man aus laminaren Höhen absteigt und sich unten im Schleudergang der Waschmaschine wiederfindet. Es besteht immer eine gute Chance, dass der Wind am Boden stärker geworden ist, als er beim Start war. Nimm also alle deine Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit zusammen für eine ordentliche Landeeinteilung und Starkwindlandung. Es ist da auch eine gute Idee, noch oben im Laminaren das Cockpit aufzuräumen, lose Kameras, Sonnenbrillen, Überreste der letzten Möhren oder Äpfel, die Pinkeltüte zu verstauen, denn in der Turbulenz fliegen dir diese Sachen in der Haube umher. Sie sind potentiell sehr gefährlich, wenn die wild umhersausen. Sie bleiben nach Murphy immer irgendwo in der Steuerung stecken oder knacksen die Haube an.

Wellen funktionieren dann am besten, wenn der Thermikeinfluss schwach ist oder nachlässt, also früh morgens oder abends vor Sunset. Pass auf, wie spät es ist. In 5000 m mag es noch taghell sein und die Sonne steht deutlich über dem Horizont, aber am Boden in den Alpentälern fahren die Autos schon mit Licht. Stelle sicher, dass du zu Sunset + 30 am Hänger stehst. Eine Starkwindlandung im Dunkeln ist ein ziemlicher Gruselfilm. Es ist auch sehr hilfreich, für eine späte Landung eine klare Ersatzbrille statt der Sonnenbrille dabei zu haben.

Wenn du dich auf das Abenteuer einlässt, bei Welle und Wind überland zu fliegen, müssen dir die Strömungsverhältnisse zwischen den Steinen klar sein. Du musst in der Lage sein, dir ein Bild davon zu machen, und du musst die Variationen kennen, z.B. Windumschlag in Tälern. Daraus ergeben sich überraschend neue Auffanghänge und andere Anflugmuster für Außenlandefelder. Einige Felder sind auch nur unter besonderen Windbedingungen nutzbar.

 

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