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Bei jungen Piloten kurz nach dem Schein beobachtet man manchmal eine unangenehme und unsinnige Angewohnheit. Sie sind so von der Schulung infiziert, vom akribischen Fluglehrer, der sie dauernd kritisiert und dem sie es recht machen wollen/müssen, dass sie das Flugzeug mikroskopisch genau steuern wollen. Jede kleinste echte oder eingebildete Böe wird ausgeregelt. Der Knüppel wackelt wie ein Entenschwanz.

Deshalb: Imma janz sachte mit die Strömung umjehn, denn die iss dein Frooiind.

 

Und leider soll es nach unbestätigten Gerüchten auch ältere und erfahrenere Piloten geben, die diesem Zitter-Laster anhängen.

Das ist für die Aerodynamik des Flugzeugs ungefähr so gut wie halb ausgefahrene Bremsklappen. Jede Steuerbewegung, jeder Ruderausschlag erzeugt Luftwiderstand, verbraucht Energie. Deshalb fliegen die alten Hasen so „elegant“, sie halten die Ruder ruhig und kurven mit möglichst wenig ausgeschlagenen Rudern – vor allem Querruder ‑ ein. Und die Ruder gehen zügig, aber dabei gleichmäßig und langsam rein in die Kurve und raus, kein ruckartiges Bewegen der Ruder, kein Hin- und Hergezittere, alles möglichst widerstandsarm.

Das soll nicht heißen, dass du keine vollen Ruderausschläge benutzen darfst. Wenn andere Dinge – wie Flugsicherheit – Landung - wichtiger sind als das letzte Quäntchen Leistung, dann nur zu! Und wenn die Turbulenz dich wirklich tanzen lässt, musst du ihr auch mal zeigen, wer Herr und Meister in der Kiste ist - wenn sie dich lässt. Da sind volle schnelle Ausschläge manchmal notwendig und unvermeidbar.

Folgendes musst du dir klarmachen: Wenn du ein Ruder ruckartig weit ausschlägst, kann die Strömung der veränderten Geometrie nicht sofort folgen. Es dauert einen Moment, bis auf beiden Seiten der Ruderfläche die Strömung umgelenkt ist. In dieser Zeit fliegst du mit einem erheblich vergrößerten Widerstand. Im Extremfall einer solchen Ruderbewegung reißt die Strömung auf der Ruderleeseite sogar ab und bildet Wirbel. Diesen Effekt des Strömungsabrisses verwenden Kunstflieger für gerissene Figuren. Und Kunstfliegen ist aber bekanntlich stark höhenvernichtend.

 

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