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Beim Wellenfliegen in respektablen Höhen herrschen extreme Verhältnisse :

  • Windgeschwindigkeiten von 100 km/h in 5000 m Höhe sind nicht ungewöhnlich.
  • Die Steigwerte in der laminaren Welle können 5 m/s und mehr betragen.
  • Das Fallen außerhalb der Wellen ist bodenlos.

Wenn du Strecken fliegen willst, wirst du unter diesen Bedingungen die Wellen wechseln müssen.

 

Dabei unterscheide ich in der weiteren Diskussion drei Wechselsituationen:

  • aus deiner Welle luvwärts in das nächste System
  • aus deiner Welle mehr oder minder in der Achse deiner Welle in das nächste System
  • aus deiner Welle leewärts ins nächste System

 

Mit welchen Geschwindigkeiten wechselt man die Wellen luvwärts ?

Stell dir vor, du bist oben in der Welle und willst in minimaler Zeit in die nächste Welle vorfliegen, um dort auch auf die gleiche Höhe zu kommen. Es ist vielleicht ein wenig schwierig, sich das vorzustellen, dass das ein Endanflugproblem ist, kein normales, beileibe nicht, aber du optimierst deinen Flug in Bezug auf einen ortsfesten Punkt. Wellen sind ortsfest (meistens).

Sollfahrt bei WindbeeinflussungUm einen ersten Eindruck zu bekommen, stelle dir vor, du befindest dich in 3000 m Höhe, hast 45 km/h Gegenwind. Mit welcher Ringeinstellung kommst du am weitesten ?

Die mittlere der drei Tangenten an die Polare (Bild rechts) schneidet die senkrechte Achse bei einer Ringeinstellung von 1 m/s. Wenn du die waagerechte Linie durch den Schnittpunkt verfolgst, triffst du einen weiteren Schnittpunkt mit der rechten Tangente bei 45 km/h Gegenwind. Nun betrachte die Sollfahrt aus dieser graphischen Lösung : 140 km/h ohne Wind, 172 km/h mit Wind.

Du siehst, die Ringeinstellung für den optimalen Gleitwinkel bei 45 km/h Gegenwind und einem Meter Fallen steigt auf beinahe 2 m/s (Extrapolation der Tangente bis zur senkrechten Achse).

Dieses Beispiel ist in seiner Lösung ja noch zivil, aber extrapoliere mal für 100 km/h Wind und 6 m/s Fallen. Ein Sollfahrtring ist hier ohnmächtig, den müsstest du auf 10 m/s stellen. Das, was Ring oder Rechner an Sollfahrt diktieren, kannst du gar nicht fliegen, ohne Gefahr zu laufen, dein Flugzeug zu überlasten.

Ich wage die These, dass beim Wellefliegen ein Sollfahrtgeber, sei es Ring oder Rechner, nur beschränkt nutzbar ist, denn du bewegst dich immer zwischen den beiden Extremen :

  • Riesiges Fallen mit riesigem Gegenwind führt zum schnellstmöglichen Vorwärtsfliegen. Dafür brauchst du keinen Sollfahrtgeber.
  • Gutes Steigen und dein Wunsch in der Welle zu bleiben führt dich zu möglichst langsamem Fliegen (Gegenwind frisst Vorwärtskomponente auf) oder zum Kreisen. Dafür brauchst du auch keinen Sollfahrtgeber.

Machen wir das an einem konkreten Beispiel fest : Der Vorflug zur nächsten Welle.

Du steigst oben in der Welle, vielleicht kannst du ortsfest stehen und steigen. Das Steigen wird oben schwächer und die willst abfliegen (oder die Höhenberenzung zwingt dich vorher dazu). Deinen Ring hast du auf 5 m/s gestellt (höher geht es meist nicht), er diktiert dir sofort Maximalfahrt, und du schießt (relativ, denn da ist ja noch der unangenehme Gegenwind) nach vorne durch das Fallen zwischen den Wellen. Du verlierst 2000 m Höhe und mehr.

Sobald das Luftmassensteigen der nächsten Welle luvwärts wieder einsetzt, wird dir der Sollfahrtgeber wieder sagen, du sollst langsamer fliegen, wenn es gut steigt, sogar so langsam, dass du keine Vorwärtsgeschwindigkeit gegen Grund mehr hast (GPS-Speed = 0).

Dann steigst du (mehr oder minder auf der Stelle stehend) in der neuen Welle hoch. Der Gegenwind wird mit der Höhe in der Regel stärker und kann so stark werden, dass du leewärts geschoben wirst. Das wirst du in der Regel nicht wollen, also musst du schneller fliegen. Außerdem wird nach oben in der Welle das Steigen wieder schwächer.

Und dann geht das Manöver wieder von vorne los.

Hoch in der Welle bewegst du dein Flugzeug an den Grenzen der Flugsicherheit, denn bei hohen Gegenwindkomponenten wird deine optimale Vorfluggeschwindigkeit durch Vne begrenzt. Dabei musst du beachten, dass in den Höhen, von den wir hier reden, deine Vne auch noch wegen der geringeren Luftdichte reduziert ist (Faustregel : 7 % pro 1000 m Höhe).

 

Mit welchen Geschwindigkeiten wechselt man die Wellen in der Wellenachse mit Seitenwind ?

Wenn du, sagen wir vom Paradiso in die Mt Rosa-Welle fliegst, hast du einen guten Schluck Seitenwindkomponente zu überwinden, also musst du schneller fliegen als mit normaler Ringeinstellung, je stärker der Seitenwind und je größer die -komponente, desto näher bist du am vorher beschriebenen Fall des Wechsels in die nächste Luv-Welle, also auch nahe an der Maximalfahrt.

 

Mit welchen Geschwindigkeiten wechselt man die Wellen leewärts ?

Leewärts stellst du den Ring auf Null und fliegst normal nach Ring. Nach exakter Theorie müsstest du noch ein Jota langsamer fliegen, den Ring ca. 0,7 m/s unter Null stellen. Ich kenne keinen modernen Segelflugrechner, bei dem das möglich wäre.

Aber das wird auch keine langsame Angelegenheit werden. Bei 5 - 8 m/s im fallenden Ast der Welle diktiert dir auch hier dein Sollfahrtgeber Maximalfahrt.

An der nächsten Welle ergibt sich dann das Prpblem, dass du mit Maximalfahrt gegen Luft und geschoben mit Windgeschwindigkeit mal leicht mit 300 km/h durch die Welle durchstößt und sie gar nicht mitbekommst.

Beim Wechseln ins Lee, vor allem bei blauem Wetter, ist deshalb größte Aufmerksamkeit darauf zu legen, das Einsetzen der leewärtigen Welle zu erfühlen. Dein Vario ist vielleicht zu träge dazu.

 

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