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Das Beherrschen der Hangfliegerei ist nach meiner unmaßgeblichen Meinung für jeden Segelflugpiloten unverzichtbar. Im Flachland wird in der Schulung darauf nicht eben viel Gewicht gelegt, wohl offensichtlich, weil es da wenige nutzbare Hänge gibt. Aber gerade weil du in hubbeligem Gelände mal in die Verlegenheit kommen kannst, dich an einem wenig prominenten Hängelchen festzuhalten, bis dich der nächste Bart da wieder abpflückt, musst du es halt können, sonst bist du unten.

Hangfliegen ist bodennah, technisch anspruchsvoll und gefährlich : Im Flachland, weil man beim geringsten Fehler landen muss - Im Gebirge, weil die Form der genutzten Hänge und die Windsysteme schwieriger zu beurteilen sind.

 

Dem Artikel von "Fridolin" Dinges kann ich bezüglich Hangflugtechnik nur eins hinzufügen :

Ich schiebe am Hang immer so, dass die hangnahe Fläche 3-5° vorne ist. Das erzeugt eine "gute" Asymmetrie, die den Abkippgefahren, die Fridolin beschreibt, entgegenwirkt. Du hast den geringeren Auftrieb an der abgeschatteten hangabgewandten Fläche. Dein Flugzeug wird es deshalb vorziehen, vom Hang weg zu kippen.

 

HangwindprofilHangfliegen im Kontext von Leistungsflug ist nicht darauf ausgerichtet, den Hang möglichst hoch zu übersteigen, sondern daraufhin, im Bereich des besten Steigens schnell am Hang entlang zu flitzen.

Was bedeutet das ? Die höchste Geschwindigkeit erfliegst du dann, wenn du im Bereich des besten Steigens vor dem Hang alle Energie in Fahrt umsetzt. Ein Blick auf deine LS4-Polare sagt dir, bei einem Luftmassensteigen von 1,5 m/s musst du am Hang 155 km/h fliegen. Geschwindigkeiten von 200 km/h sind am Hang keine Seltenheit. Dabei ist es böig wie verrückt. Scharf Hangfliegen ist nichts für Weicheier.

Als Karl Striedick in den 70-igern mit einer ASW15 seine Weltrekorde aufgestellt hat, hat er seinen Kopf durch eine Lage Schaumstoff gegen die Haube geschützt.

 

Gute Hänge sind in der Regel sehr belebt. Es gibt Gegenverkehr. Da ist äußerste Wachsamkeit geboten !

FLARM-Alarme erscheinen, auch bei Head-On-Situationen, mit maximal 25 Sekunden Vorwarnung (ab FLARM Protokoll-Version 6 sind es nur noch maximal 18 Sekunden Vorwarnzeit). Bei zwei Flugzeugen, die am Hang mit jeweils 200 km/h aufeinander zu rasen, entsprechen 25 Sekunden Vorwarnzeit einer Entfernung von 2,74 km bzw. 2 km. Wenn die beiden Flugzeuge jeweils 100 km/h fliegen, sind es noch 1,38 km bzw. 1 km. Das ist nicht eben viel.

Dann beginnt im Grau unter den Wolken das notorisch berüchtigte, Blutdruck treibende Segelfliegersuchspiel "Zarte aufblühende graue Silhouette vor grauem Hintergund ohne Seitwärtsbewegung" - das, was alle hassen und fürchten.

Ein Mittel gegen diese Kollisionsgefahr sind LED-Blitzer.

 

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