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Unglücklicher FlugwegWenn du tief bist, du armer Sack, dann fliegst du in 400, 500 m über Grund mit Blickpunkt zu einem Ziel oder bewusst den geografischen Konturen folgend, den Steuerknüppel locker in der Hand, schon intuitiv auf alle Kräfte achtend, die auf deine Maschine und die Ruder wirken, mit Genuss die Landschaft und Wolken studierend, hältst Ausschau nach Raubvögeln und Ablösekanten für Thermik. Du weißt wohl, dass es bald wieder nach oben geht, aber immer mit dem Plan B (Bei die Kühe) im Kopf.

Thermik zu finden ist eigentlich nicht schwer, aber ohne einen Plan und ohne Gefühl wird es dir nicht gelingen, auch darin zu steigen. Wenn du nicht bewusst in die Thermik, in den "Bart" hinein steuerst, werden die Gebiete, in denen es steigt, dich "abwerfen" wie ein fauler Gaul.

 

Links hebt´s dir den Flügel leicht, der Blickpunkt wandert aus, das Flugzeug giert nach rechts weg - und bleibt im Fallen. Du fliegst weiter geradeaus.

Rechts hebt´s dir den Flügel leicht, der Blickpunkt wandert aus, das Flugzeug giert nach links weg - und bleibt im Fallen. Du fliegst weiter geradeaus.

Links hebt´s dir den Flügel ...

Du kannst so endlos zwischen den Bärten weiterfliegen. Alle Bärte, die du berührst, werden dich leicht wegschubsen. Schließlich sind auch noch die Zwischenräume zwischen den Bärten in der Regel größer als die Gebiete mit Steigen.

So wirst du nur dann einen Bart nutzen können, wenn du stumpf und zentrisch auf einen drauf stösst und er dich nicht zur Seite ablenken kann.

Das kommt entschieden zu selten vor, um dich in der Luft zu halten. Du musst selbst aktiv werden - und zwar so:

So muss der Flugweg sein  ...Rechts hebt´s dir den Flügel leicht, der Blickpunkt will wegwandern, die Ursache ist geringeres Sinken auf der rechten Seite. Mit leichter Richtungsänderung wird gegen den hebenden Flügel in die geringer sinkende Luftmasse gesteuert. Die Luft ist unruhig. Weil der Schlenker nicht ins Steigen führte, geht der Kurs wieder auf das alte Ziel. Jetzt hebt´s links die Fläche an, Kursänderung 15° zur hebenden Fläche, du spürst eine Beschleunigung, das Vario piept und die Nadel wandert ins Steigen, links hebt´s immer noch, du leitest einen Kreis ein, etwa 30° Querneigung, der Bart ist noch nicht sauber getroffen, auf Steigen folgt wieder Fallen. Du fliegst den Kreis jetzt exakt weiter: Gleiche Querneigung, gleiche Geschwindigkeit, nicht zu schnell, dann wird der Kreis rund und ist nicht zu groß. Der Kreis führt wieder in das Steiggebiet. Wenn das Steigen wieder kommt, fliegst du flacher, die Beschleunigung ist spürbar, einen kurzen Moment geradeaus, jetzt ist der Druck auf die linke Fläche kräftig, das Vario beginnt zu jubeln, ohne Zögern mit exakten kräftigen Ruderausschlägen folgt ein 45°-Kreis, 2,5 m/s Steigen, BINGO!

So oder so ähnlich funktioniert das, nicht immer, aber mit Üben immer öfter. Manchmal triffst du das Steigen nicht, oder nicht so gut, fliegst doch noch am Steigen vorbei oder der Bart war doch nicht da; dann geht’s konsequent zielgerichtet weiter, erst geradeaus, dann immer zur hebenden Fläche, zum Steigen hin orientiert, so wie´s der Bussard macht, dem du vom Boden aus zuschaust.

Das Erfühlen der Thermik musst du üben; ständig immer wieder; bei jedem Flug. So wie der Klavierspieler seine Fingerfertigkeit und Intuition übt, machst du das auch. Du musst dich hingeben. Du sitzt nicht im Flugzeug, sondern dir wachsen die Flügel aus den Schultern. Du bist eins mit deiner Kiste. Die Flächen und Ruder sind die Gliedmaßen, Hintern und Hand die Sensoren, dein Hirn steuert die Motorik und dein Flugzeug. Dazu brauchst du keinen Hochleistungssegler. Die Ka8 ist leicht und reagiert wunderbar direkt auf die Luftströme, mit 100 Liter Wasser in den Flügeln der LS4 spürst du weniger.

Wenn du deinem Flugzeug seinen Willen lässt, wird es dich mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit durch die Thermik führen, ohne dass du einen einzigen Bart richtig triffst.

Jedes Steigen, das du nicht im Zentrum triffst, wird dein Flugzeug einseitig anheben, drehen und wieder "auskippen". Dann fliegst durch den "Wald von Thermiken", ohne eine zu treffen. Du darfst dem Flugzeug seinen Willen nicht lassen. Wenn es dich aus der Richtung bringen will, liegt dein nächstes Steigen meistens in der Richtung, die dein Flugzeug nicht mag. Du musst deshalb gegensteuern.

 

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