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Denken wir einmal das Undenkbare: Du bist ins obere Tinée-Tal oder ins obere Var-Tal gefallen und MUSST landen. Da bleiben eigentlich nur die Flussbetten, die einigermaßen eben sind. Aber täusche dich nicht. Die Steine da drin sind GROSS. Wenn du da geradeaus rein segelst oder slipst, Fahrwerk draußen oder nicht, hast du dir eine große Chance eingekauft, das Manöver nicht zu überleben.

Weil diese Gefahr so auffällig ist, sind alle in Südfrankreich fliegenden Piloten akribisch bemüht, nicht in diese Täler zu fallen. Aber wenn du dich in unbekanntem Gelände bewegst, dann sind unlandbare Täler eine realere Gefahr.

Gibt es eine Überlebensstrategie ?  Ja.

 

Klaus Ohlmann hat sich diese Situation genau überlegt. Er ist - im Gegensatz zu dem Bild, das von ihm gezeichnet wurde - extrem risikoavers. Nur : Er geht mit allen erkennbaren Risken aggressiv um, lässt sie nicht auf sich zukommen, sondern denkt sie vorher immer bis zum Ende durch.

1998 begann er mit der Patagonien-Fliegerei, in einer weitestgehend unerschlossenen Gegend. Da gibt es keine Landwirtschaft und keine Straßen, nur Wüste, Steine, Berge und - Flussbetten.

Und nicht nur für Flussbetten, sondern für jeden ebenen aber eigentlich unlandbaren Untergrund, hat sich Klaus folgendes Handlungsmuster zurechtgelegt:

Normaler Anflug bis zur Minimalfahrt, dann unmittelbar vor der Bodenberührung - noch in der Luft - beherzte Einleitung eines Ringelpietzes und ziehen bei voll ausgefahrenen Klappen. Die Bodenberührung der Fläche wird das Flugzeug um die Hochachse reißen, die Nase kommt hoch, die äußere Fläche steilt auf, die Kiste geht mit dem Schwanz zuerst in die Steine und schlittert mit der unteren Fläche rückwärts durchs Geröll, die Knautschzone ist hinter dir. Der Flieger ist sicher in Scherben, aber du hast die Chance, einigermaßen heil davonzukommen.

 

Ich (Horst) habe eine solche Ringelpietz-in-der-Luft-Landung hinter mir, eher unfreiwillig und in durchaus landbarem Gelände. Ich kann damit sicher sagen, dass das Verfahren an sich funktioniert.

Das ist beileibe kein Königsweg für sicheres Überleben, wenn es Steine geregnet hat, aber es gibt dir eine Chance, die du beim Vorwärts-in-die-Steine-Landen nicht hast.

 

Zum Beginn des Kapitels

 

 

Kommentare   

 
#2 Administrator 2014-05-02 10:02
Hi Jürgen,

ich habe eine DG800 und komme da nicht so schnell raus, dass ich im Gegenanflug noch aussteigen könnte. Bei mir müsste diese Entscheidung viel höher fallen, und da ist sie entschieden schwerer zu treffen.

Aber an sich ist dein Verfahren natürlich naheliegend. Auch Klaus hat das erwähnt, aber er ging bei seinen Erklärungen so weit zu behaupten, dass eine Fallschirmlandu ng im Geröll letaler sein könnte als seine Methode.

Ich hoffe, in den zehn Jahren, in denen ich noch fliegen kann, werde ich nicht vor dieser Entscheidung stehen. Zumal mit der Entdeckung von drei bisher unbekannten Außenlandefelde rn der Tineé und das Var-Tal sicher befliegbar geworden sind.

Gruß Horst
 
 
#1 Jürgen Riel 2014-04-22 07:43
Hi Horst,
KOs Methode ist sicher viel besser als alles Andere, was man sonst so hört und liest. Danke für den Tip.
Ich ziehe für solche Fälle ernsthaft in Erwägung, in Talmitte mit dem Schirm auszusteigen.
Der Flieger wird so oder so Schrott sein,
Die Überlebenschanc e wird aber deutlich grösser sein als bei einer Bruchlandung im Geröll. Der Entschluss muss nur rechtzeitig erfolgen. Solange man noch einen Gegenanflug machen kann, sollte auch die Höhe fürs Aussteigen ausreichen......

Beste Grüsse Jürgen Riel

(...der eine ganz ähnliche Geschichte erzählen kann und auch mal rückwärts im Acker stand....)
 

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