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Jetzt stehst du vor den Fragen, die alle Anfänger beschäftigen:

  • Wohin fliege ich ?
  • Welche Wolke fliege ich an ?
  • Wo finde ich wieder Steigen, damit ich kurbeln kann ?

In den Büchern findest du die Behandlung dieser Fragestellungen unter der Rubrik "Meteorologische Navigation".

Da näherst du dich der Abflughöhe im Bart und fragst dich, wohin es weitergehen soll. Die grobe Richtung ist immer durch die Aufgabe, die du dir gestellt hast, gegeben. Aber immer wenn du in diese Richtung schaust, erscheinen dir als Anfänger genau da die Wolken am schlechtesten.

Das kann schon mal so sein, meist sind es aber Beleuchtungseffekte und Sichtbehinderungen (mit der Sonne, gegen die Sonne), die dir einen solchen scheinbaren Sachverhalt vorgaukeln. Also, erstmal nicht den Mut verlieren.

 

Wolken ohne nennenswerte OrganisationBetrachten wir den Fall mit ungeordneter Wolkenthermik, keinerlei auffällige Wolkenhäufungen, -reihungen oder –straßen sind zu erkennen, dann wählst du die schönste Wolke, die am besten (+- 10°) am Kurs steht. Schön ist dabei definiert als:

  • glatte deutliche dunkle Unterseite, vielleicht erscheint die Unterseite sogar ein wenig "hohl"
  • gleichmäßiges Wachstum (wie ein flacher Blumenkohl)
  • keine herausschießenden Türmchen

Wenn der Wind den Kurs deutlich schneidet, dann bevorzuge die Wolke, die mehr im Luv steht.

Wenn du darauf zufliegst, beobachtest du die Wolke genau:

  • Zerfällt der Blumenkohl oder baut er auf ?
  • Wird die Basis ausgeprägter oder wird sie unscharf ?

Wenn die Wolken über das Stadium „humilis“ hinausgehen und dicke Klötze und gar Schauer bilden, musst du die aussuchen, die am dichtesten vor dem Schauerstadium stehen. In solcher Wolkenthermik haben die Wolken meist einen langen Bestand. Manchmal bilden sich im stärksten Steigen unter den sehr guten Wolken "Fahnen" von leichter Kondensation, die nach oben in die Wolke steigen.

Es wird öfter vorkommen, dass sich die erste Wahl einer Wolke während des Herangleitens als schlecht herausstellt. Die anvisierte Wolke zerfällt. Deshalb musst du immer noch andere Wolken beobachten und noch ein oder zwei Optionen haben, aus denen du in einem solchen Fall wählen kannst.

Wolken ohne nennenswerte OrganisationHier ein Beispiel aus Südfrankreich (Blick von der Montagne de Beynes entlang des Asse-Tals in Richtung Manosque). Der Wind kommt grob von rechts. Ziel war in dieser Flugphase der Ort Apt, nördlich des Luberon. Er liegt ein Jota rechts der Bildmitte ca. 30 km jenseits des Tals der Durance.

Auf dem Bild liegt die erste anzufliegende Wolke leicht rechts von der Bildmitte, danach geht es mit einem Linksschlenker in Richtung der Wolke weiter weg knapp links von der Bildmitte. Das ist die zweite Option. Und wenn auch die auf dem Weg dorthin zerfällt, geht es rechts zum Bildrand weiter.

Schau dich aber immer wieder genau um. Die Atmosphäre um dich herum ist ein hochdynamisches Gebilde. Die Dauer von Entstehung, voller Pracht und Zerfall von Wolken ist abhängig von vielen Parametern des Wetters, von der Luftfeuchtigkeit im Wolkenkondensationsniveau, von der Höhe über Grund des Kondensationsniveaus, von der Beschaffenheit des Bodens, vom Wind, …

Die Wolken verharren nicht in der Lage, in der du deine Entscheidung triffst. Sie entwickeln sich sofort weiter. Momente nur nach deiner Entscheidung kann die schon objektiv falsch sein und du musst sie revidieren.

Deine Kunst liegt darin, in dieser dynamischen Umgebung den stabilen, sprich erfolgversprechenden Weg zu finden.

Und dieses Spiel wiederholt sich dauernd, jedes Mal, wenn du einen Aufwind verlässt. Deshalb ist es notwendig, dass du die Wetterentwicklung um dich herum immer und dauernd im Auge hast.

Geschickte Wahl der Wolken vor dir, auch wenn sie nicht in einer deutlichen Reihung stehen (so wie auf dem Bild), wird deinen Gleitflug verlängern und so deinen Schnitt steigern.

Wenn wenig Wind im Spiel ist, ist auch das Fallen um die Wolken herum nicht geordnet. Du wirst mehr oder weniger zufällig, wenn du dich in dieser Situation einer Wolke näherst, viel oder wenig Fallen antreffen.

Sobald ein wenig Wind im Spiel ist, zumal in Höhe der Basis, dann bringt es Vorteile, Wolken genau aus der Windachse heraus anzufliegen und zu verlassen, weil dort weniger Fallen angetroffen wird als in Windrichtung neben den Wolken. Offensichtlich reicht schon wenig Bewegung, um aus dem chaotischen Strudeln ein leicht geordnetes Strudeln zu erzeugen.

 

Geschlossene zellenBei geschlossenen Wolkenzellen, der ersten Form der Organisation, finden sich bei genügend hoher Basis mehrere kleine Bärte und Wolken zusammen und bilden einen Megacumulus mit verschiedenen Steigzentren. Das Gebilde ist zur nächsten Zelle deutlich abgegrenzt durch eine wolkenfreie Zone.

Wenn du unter einem solchen Gebilde in die Abflughöhe aufsteigst, ist es ganz wichtig, vorher einen Plan zu haben, auf welchem Weg und an welcher Ecke du den Wolkenhaufen verlassen willst. Denn: Von deinem lokalen Bart bis zum Rand des Wolkenhaufens kann dich der Schlag treffen, sprich, es kann dich runterhauen. Auch unterhalb der Wolke können starke Abwinde entstehen, weil Kaltluft aus dem Gipfel der Wolke abstürzt. Je näher die dicke Wolke vor dem Stadium "congestus" steht, desto größer ist dieses Risiko, desto größer ist allerdings auch die Chance, gutes Steigen zu finden.

Der beste Weg zum Rand des Wolkenhaufens führt unter den schwärzesten Stellen in der Basis entlang. Auch Schleier von Kondensen, die von unten in den dunkelsten Teil der Basis aufsteigen, zeigen Stellen an, an denen es besonders gut steigt (niedriger lokaler Druck, größere Feuchte → frühere Kondensation). Da ist der gerade Weg nicht immer der beste, also frühzeitig rausgucken und den Weg bestimmen.

Und dann darfst du niemals den Wolkenhaufen auf einem Kurs verlassen, der spitzwinklig vom Rand wegführt, sondern du musst immer die ersten 1000 m rechtwinklig vom Rand wegfliegen. Die Zelle wird in der Regel von einem Gebiet verstärkten Fallens umgeben, und das musst du auf dem kürzesten Weg durchqueren. Bei deutlichem Wind solltest du den Cumulus immer in der Windachse verlassen.

Von da an stürzt du dich in gerader Linie auf den nächsten gut entwickelten Wolkenhaufen auf Kurs (anluven nicht vergessen), aber bitte, die letzten 1000 m wieder rechtwinklig auf die Wolke zu, oder - wenn auf Basisniveau deutlicher Wind herrscht - dann flieg den nächsten Haufen deutlich in der Windachse an.

 

Waben - Offene ZellenOffene Wolkenzellen bilden sich nur bei genügend hoher Basis und geringem Wind (und noch ein paar - für Laien - undurchsichtigen Parameterzuständen der Atmosphäre). Die - idealtypisch – sechseckigen Waben stehen mit gegenüberliegenden Spitzen im Wind. Zwei sich gegenüber liegende Seiten liegen genau in Windrichtung.

Wenn man also einen Aufgabenkurs hat, der der Windrichtung entspricht, kann man den Längsseiten folgen, dann abknicken und an der Spitze der ersten Wabe in die nächste einfliegen, dann bis zur Längsseite, usw. usw.

Leider sind die Waben nie schön gleichmäßig gezeichnet und manchmal schwer zu erkennen, so dass sich einem die Flugwegwahl nicht so ohne weiteres erschließt. Mal fehlt ein Wabenstück, mal ist eine geschlossene Zelle in das Wabenwerk eingebaut. Das ist eine Spitzendisziplin des Geradeausfliegens : In diesem Chaos den besten Weg zu finden. Und es gibt wirklich keine anderen Anhaltspunkte als die Schwärze und Ausgeprägtheit der Wolkenunterseiten, Steigfahnen (siehe oben) und die eventuell sichtbaren Ordnungsstrukturen.

Wenn man ganz dicht an der Basis fliegt – viele Fluglehrer behaupten doch glatt, das sei im Luftraum E verboten -, dann kann man die vor dem Flugzeug liegenden Strukturen in der flach von unten sichtbaren Basis nicht gut erkennen. Erst wenn man 100 oder 150 m oder noch tiefer fliegt – also halbeswegs legal – dann kann man diese Unterschiede gut sehen.

Also: Legal fliegen - 300 m Wolkenabstand im LR E - und nicht im Dreck. Wenn der Flugweg klar ist, kann man sich schon mal näher an die Basis ziehen lassen, aber dann muss man auch schon vorher gesehen / geahnt haben, wo man wieder drücken kann und deutlich unter die Basis kommt. Denke bitte vor allem in der Woche - sonntags wird bei uns zZ nicht Krieg gespielt - an die armen Tornado-Piloten. Die kriegen schweißnasse Hände in ihren Handschuhen, wenn sie an die verwegenen Segelflugzeugpiloteure in ihren weißen Kisten dicht unter der Basis denken.

Wenn der Aufgabenkurs im Winkel zum Wind liegt, fliegt man unter offenen Zellen in einem leichten Zickzack, den Waben folgend.

 

WolkenstraßenSobald Wind mit einem gleichmäßigen Höhengradienten einsetzt (und noch ein paar andere "undurchsichtige" Atmosphärenparameter erfüllt sind), werden aus den Waben Wolkenstraßen. Mischsituationen sind eigentlich der Normalfall.

Bei ausgeprägten Wolkenstraßen lohnen sich große und lange Kursabweichungen. Klaus Ahrens und John Cochrane haben das erschöpfend dargelegt.

Diese Ergebnisse sind für dich als noch ungeübten Segelflieger mit Vorsicht zu genießen, denn sie setzen voraus, dass du gut geradeaus fliegen kannst.

Wolkenstraße vom Katschberg nach WestenWenn du die Wolkenstraße verlässt – irgendwann musst du ja wieder auf den Kurs zurück -, dann im rechten Winkel bis ca. 1 km von der Straße weg. Das starke Fallen parallel zur Aufwindstraße musst du schnell und auf dem kürzesten Weg durchfliegen, dann erst kannst du einen gebotenen Kurs fliegen. Und ähnlich näherst du dich der nächsten Wolkenstraße. Den letzten Kilometer fliegst du wieder senkrecht auf die Achse der Straße zu.

 

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