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Nehmen wir an, du fliegst unter irgendwelchen Wolkengebilden entlang und hast im Kopf, wie die Luft unter diesen Wolken nach oben strömt, wo wahrscheinlich das größte Steigen ist, wo Abwinde liegen.

Diesem Muster, dieser Idee, diesem Modell fliegst du im Groben nach. Wenn du keins hast, wirst du keinen Erfolg haben. Da ist es besser, du entwickelst dir eine solche Vorstellung.

Also: Diesem Muster, dieser Idee, diesem Modell fliegst du im Groben nach. Aber wie findest du heraus, ob dein Muster richtig liegt? Wo bekommst du diese Informationen für die Verprobung deiner Idee her?

Das erfährst du in den Übungen, aber es gibt ein probates Instrument in deinem Cockpit, das dir Informationen darüber liefern kann: Dein Knüppel oder  „Le vario á la main“ (Copyright Jacques Noël). Das heißt auf Deutsch: „Das Vario in der Hand“. Und gemeint ist dabei: „Achte auf den Druck des Knüppels und die Veränderung der Raumlage des Flugzeugs“.

Das Flugzeug und seine Ruder sind das beste aller Variometer, allerdings nur dann, wenn du die Ruder ruhig hältst (siehe auch den Punkt "Ruderbewegungen"). Diese Stellkräfte der Luft sind in der Regel geringer als die Kräfte, die du beim Steuern aufwendest. Wenn du dauernd rumfuhrwerkst, fühlst du sie nicht.

Wenn die Kiste (Ruder oder Lage) dich nach links drückt, gebe ein wenig rechtes Querruder und noch weniger rechtes Seitenruder. Lehne dich einfach sachte auf die hoch strömende Luft, die dich aus der Ruhelage raus bringen will. Sie wird dir ein klein wenig Energie zum Steigen geben.

Wenn du dieses Prinzip verfolgst und die Sache klappt, wirst du dir vorkommen, als steigst du immer links - rechts Treppenstufen hoch. Flieg einfach dem Gefühl im Knüppel und im Gesäß nach, wie ein Blatt im Wind hochgeschaukelt wird, vielleicht mit kleinen Schlenkern, immer dem Gefühl und der Intuition nach.

Nach einigen Versuchen, Misserfolgen, dann Erfolgen wirst du feststellen, wie gut dein Modell für die Luftmassensituation unter dem eingangs erwähnten Wolkengebilde war. Wenn es schlecht war, wirst du es verbessern, ohne darüber nachzudenken.

 

Neben den Bewegungen des Flugzeugs und den Veränderungen des Ruderdrucks musst du noch auf die Veränderungen des Sitzdrucks achten. Unser Allerwertester ist zwar von Geburt an in der Lage, Sitzdruckveränderungen als Signal ans Gehirn weiterzumelden. Aber selbiges ist nicht gewöhnt, auf diese Signälchen zu achten. Das muss du dir antrainieren.

Wenn du verkrampft und mit zusammengepetzten Arschbacken im Flugzeug sitzt, wird das nichts. Nur wenn du entspannt und bequem und gut sitzt, hast du eine Chance, diese meist schwachen Beschleunigungen zu erfühlen. Verbinde diese Beschleunigungen mit deinem Modell der Thermik. Du erkennst vielleicht zunächst keine Zusammenhänge. Aber mit der Zeit, wenn du nicht wild fliegst und nicht mit dem Knüppel Sitzdruck zwei Größenordnungen höher als dein Messsignal erzeugst, dann wirst du den Zusammenhang erspüren und deine Eindrücke werden sich nahtlos in dein Thermikbild aus Fahrtgeräusch, Audiosignal und Knüppeldruck einfinden.

Es ist dir sicher klar, dass du dann, wenn du deine natürliche Sensorik schärfst, weniger Aufmerksamkeit für das mechanische Fliegen in Aufwinden brauchst. Das kommt der Sicherheit zugute, denn du schaust mehr raus, und das kommt deinen Erfolgen zugute, denn du hast mehr Zeit, dich ums Wetter zu kümmern.

Dieses "vario á la main" und der Hosenbodensensor funktionieren übrigens immer, bei Blauthermik und Wolken, in Geradeausflugsituationen wie beim Kurbeln. Es funktioniert, und das ist besonders wichtig, auch völlig ohne Strom.

 

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